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HOV gestaltet Dvořák, Prokofjew und Tschaikowsky im NDR

Liegt es am zärtlichen Umgang mit zerbrechlichen musikalischen Details? Oder am grandiosen dramaturgischen Bogen des Konzertabends? Wie gelingt es der Hannoverschen Orchestervereinigung, das zahlreiche Publikum im Großen Sendesaal des NDR für zwei Stunden in den Bann zu ziehen?

Die ambitionierte Programmaufstellung verlangt von Künstlern wie Konzertbesuchern höchste Konzentration und Kondition. Wieder einmal beweist Dirigent Martin Lill gutes Ohrenmaß und großes Geschick, auch in der Wahl des jungen Solisten.

Arthur Hornig eröffnet mit Dvořáks Violoncello-Konzert und setzt Maßstäbe für den gesamten Abend. Das Orchester zaubert in der Einleitung des ersten Satzes eine spätherbstliche h-Moll-Stimmung, der Hornig in seinem ersten Einsatz mit Verve entgegentritt. Der weitere Verlauf steht denn auch im Zeichen der Gegensätze. Licht und Dunkel, Dur und Moll, Hoffnung und Melancholie. Hornig und HOV spielen sich die Bälle zu, scheinbar mühelos „gelenkt“ durch „Regisseur“ Lill. Das Publikum erlebt volkstümliche Themen (Verdi!), gewagte harmonische Fortschreitungen (Wagner!) und Lust am fragilen Klang (Mahler!). Tosender Beifall zur Halbzeit.

Tschaikowskys Romeo-und-Julia-Ouvertüre mag im konzertprogrammatischen Zusammenhang die Erwartung wecken, dem Abend eine Prise Eleganz zu verpassen. Diese Haltung für sich wäre naiv und eindimensional. Lill und die HOV loten sämtliche Spielräume aus, in alle Richtungen. Sinfonische Synthese und instrumentale Transparenz finden zueinander. Gelegentliche kompositorisch-spielerische Elemente dringen unüberhörbar an die Oberfläche, ohne Bedeutung und Ernsthaftigkeit des bekannten Werkes zu gefährden. Gratwanderung gelungen!

Prokofjews Romeo-und-Julia-Suite ist selten zu hören. Also Ohren auf! Und vielleicht Augen zu? Mögen wir uns in der Oper wähnen. Plastische Szenen, tragische Verwicklungen. Die Musik wühlt auf und versöhnt. Solch ein Resultat bedarf der Energie des gesamten Orchesters, bis zum (bitteren) Ende. Sämtliche Holzbläser begeistern von der ersten bis zur letzten Note. Die tiefen Blechbläser überzeugen ebenso durchgehend wie das präzis sensibel agierende Perkussions-Team. Der flächenmäßig fast unüberschaubare Streichapparat gestaltet respektabel diszipliniert synchron.

Höchst verdienter langanhaltender Schlussapplaus für Dirigent Lill und seine Hannoversche Orchestervereinigung. Wir erwarten freudig gespannt Tschaikowskys sechste Sinfonie im Frühjahr 2016. Weiter so!

Martin Lüssenhop

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