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  • Stipendiat 2017 – Interview mit Johannes Berndt

Die Förderung des künstlerischen Nachwuchses gehört zum Kernauftrag der Richard Wagner-Verbände. Doch selten begegnet man einer Begabung, die die historische Tiefe der Musiktradition so reflektiert mit dem Drang nach einer zeitgemäßen Ausdrucksform verbindet wie Johannes Berndt. Als Stipendiat des Jahres 2017 bereicherte er das traditionelle Stipendiatenkonzert erstmals in der Geschichte des Verbandes durch eigene Kompositionen – ein Novum, das den Blick auf die Zukunft der Musikrezeption schärft.


Vom Spiel zur Struktur: Die Genese eines Komponisten

Johannes Berndts Weg zur Musik war kein Prozess des mühsamen Erlernens, sondern eine natürliche Entwicklung. Bereits im Alter von fünf Jahren begann er, das Musizieren untrennbar mit dem Erfinden von Klängen zu verknüpfen. Was als Improvisation und spielerisches Ausprobieren begann, fand früh seinen professionellen Rahmen am Institut zur Frühförderung musikalisch Hochbegabter (IFF) in Hannover.

Seine kompositorische Methode gleicht dabei oft einem archäologischen Prozess: Aus flüchtigen Skizzen und Miniaturen, die er im Moment der Inspiration festhält, entwickelt er später komplexe Strukturen. Dabei lässt er sich nicht auf eine Gattung festlegen. Ob Kammermusik, Chorwerke oder Orchesterleitung – Berndt begreift das Handwerk des Komponierens und des Dirigierens als zwei Seiten derselben Medaille, die sich gegenseitig befruchten und die Distanz zwischen Partitur und Klang überbrücken.


Sprachmelodie und Transzendenz: Die Rilke-Vertonungen

Besondere Aufmerksamkeit widmete Berndt zuletzt dem Medium des Gesangs. In seinen Vertonungen von Rainer Maria Rilke – darunter das „Schlussstück“ und „Herbst“ – offenbart sich ein tiefes Verständnis für die Transzendenz der Sprache. Berndt sucht in der Lyrik nicht nur nach Inhalten, sondern nach der inhärenten Musik der Worte.


Die Dialektik der Moderne: Wurzeln als Fundament der Erneuerung

Ein zentraler Aspekt von Berndts künstlerischem Selbstverständnis ist das Verhältnis zur Tradition. Er kritisiert eine zeitgenössische Musik, die ihre Wurzeln vergisst und sich in der bloßen Abgrenzung erschöpft. Für ihn bedeutet Traditionsbewusstsein nicht Stillstand, sondern der notwendige Dialog mit dem, was vorangegangen ist.

Berndt plädiert für „entgrenzte“ Konzertformate, in denen neue und traditionelle Musik nebeneinandergestellt werden. Nur durch diese unmittelbare Gegenüberstellung könne die moderne Tonsprache ihre Relevanz beweisen und ihre Herkunft reflektieren. Ein Komponist, so Berndt, könne sich nur dann in seiner Zeit begreifen, wenn er den Kontext seiner Vorgänger kenne und bewerte – sei es durch bewusste Anlehnung oder entschiedene Ablehnung.


Wagner als „Entgrenzer“: Ein Ausblick auf die Musikdramatik

In der Auseinandersetzung mit Richard Wagner fasziniert Berndt vor allem dessen Rolle als radikaler Erneuerer. Wagner ist für ihn der große „Entgrenzer“, der das Konzept des Gesamtkunstwerks nutzte, um verschiedene Kunstgattungen in einer bis dahin ungekannten Energie zu synthetisieren. Besonders die Fähigkeit Wagners, das Bühnengeschehen unmittelbar und überwältigend in das Orchester zu übersetzen, dient Berndt als Inspirationsquelle für eigene visionäre Pläne: die Annäherung an szenische, musikdramatische Werke.

Für die Zukunft der Wagner-Rezeption und der neuen Musik gleichermaßen bedeutet dies: Die Vitalität der Kunst liegt nicht im Archivieren des Vergangenen, sondern in der Kraft, diese Energie für neue, tiefgreifende Erfahrungen zu nutzen. Johannes Berndt zeigt, dass die nächste Generation von Musikern bereit ist, dieses Erbe nicht nur zu verwalten, sondern es aktiv weiterzuschreiben.

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Hänsel und Gretel in Braunschweig - Interview mit Brigitte Fassbaender
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